Freundschaft und Solidarität unter den Häftlingen

„Als wir zusammen waren, gab es nicht viele Gelegenheiten zu reden, denn man war müde nach einem langen Tag. Unser Vater sagte immer: „Ihr müsst zusammenhalten, bis zum Ende aushalten. So dass jemand am Leben bleibt, um wenigstens Mutter zu benachrichtigen. Um sie zu stützen…“
(Henryk Matulko, Mauthausen-Gusen, 1944)

Eine beliebte und verbreitete Methode der Ablenkung vom schmerzhaften Lageralltag waren Gespräche und der Kontakt zu Mitgefangenen. Neu geschlossene Freundschaften waren eine hilfreiche Unterstützung in der entmenschlichten Welt. Unter Lebensgefahr erstandene materielle Güter wurden mit den engsten Mithäftlingen geteilt.

Die Gefangenen teilten auch Informationen über die Situation an der Front, die sie gestohlenen oder heimlich gelesenen Zeitungen entnehmen konnten. Gerüchte über eine Niederlage der Deutschen und ein nahendes Ende des Krieges zählten neben „Familie“ und „Essen“ zu den beliebtesten Gesprächsthemen.

Ich führte meine Gespräche im Lager meistens in den Luftschutzräumen, während der Bombardierungen. Manchmal in der Stube, wenn Zeit dafür war. Ich hatte so einen sympathischen Kameraden, einen Italiener, Jelmin, der ungefähr in meinem Alter war und mit dem ich gemeinsame Interessen teilte — Physik, Mathematik, darüber sprachen wir. Dafür gab es aber nicht viel Zeit, denn im Lager sprach man meistens über Brot und darüber, was man früher gegessen hatte, doch es gab auch Momente, wo wir uns auch darüber unterhalten konnten. […] Im Lager herrschte ein Gemisch der Sprachen und trotzdem gab es keine Probleme in der alltäglichen Verständigung.“
(Jerzy Miliński, Linz III, 1944-45)

Die Gefangenen unterstützten und halfen sich gegenseitig so gut wie möglich mit den Möglichkeiten, die ihnen die Lagerrealität bot.

„Während der Quarantäne mussten wir stundenlang auf dem Appellplatz stehen. Dann bildeten wir einen „Ofen“. In der Mitte des Platzes standen zwei Häftlinge mit dem Rücken zueinander. Sofort kamen andere, die sie umringten und einen dicht gedrängten Haufen bildeten. Dann war es in der Mitte warm. Am schlechtesten hatten es die Leute außen, deswegen tauschten sie ein bisschen. […] Ich traf in so einem Ofen sympathische Leute, wir fingen an, miteinander zu reden. Sie baten mich, dass ich ihnen etwas über Kunstgeschichte erzählte, über die Technik der Malerei. Ich hatte lange Gespräche, eigentlich Monologe, über dieses Thema. Natürlich ging sie das nicht viel an, aber es passierte etwas, man wurde von seinen Gedanken abgelenkt.“
(Zbigniew Dłubak, 1944)