Geschichte des Lagers

Das Konzentrationslager Mauthausen war eines der ersten Konzentrationslager. Es wurde am 8. August 1938 auf dem ans Dritte Reich angegliederte österreichische Gebiet in der Nähe des Granitsteinbruchs Wiener Graben bei Linz eröffnet. Im dortigen Steinbruch wurden die Gefangenen dazu gezwungen, zu unmenschlichen Bedingungen Sklavenarbeit für das Deutsche Reich zu leisten. Die so gewonnenen Rohstoffe wurden unter anderem für den Bau des Nürnberger Reichsstadions, den Wiederaufbau der Kirche in St. Florian, den Straßenbau und den Ausbau der Stadt Linz verwendet. Wie andere Konzentrationslager diente es dazu, interne „politische Gegner“ Deutschlands zu isolieren, vor allem aus den Gebieten des neu eingegliederten Österreichs.

Eingangstor zum Lager

Im Dezember 1939 wurde beschlossen, die erste Zweigstelle des Lagers zu bauen — in Gusen. Um die Jahreswende 1939/40 wurde mit dem Bau dieses Außenlagers begonnen, wofür überwiegend polnische Häftlinge aus Schlesien eingestellt wurden. Im Frühjahr 1940 wurden Polen, die in Spezialeinsätzen der Polizei — Intelligenzaktion und Außerordentliche Befriedungsaktion — verhaftet wurden, ins Lager Gusen gebracht, welches seitdem als „Todeslager der polnischen Intelligenz“ galt. Offiziell wurde das Lager am 25. Mai 1940 eröffnet, obgleich zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle Baracken fertig waren. Auch gab es weder Kojen noch Sanitäranlagen. Genau wie das Hauptlager sollte auch Gusen die großen Steinbrüche in Gusen und Kastenhofen bedienen. Mit dem Namen Mauthausen-Gusen wurde fortan die Integrität des Lagerkomplexes und die Bedeutung des neuen Lagers unterstrichen, das in Bezug auf Gefangenenzahl und „Produktionskapazität“ das Hauptlager in Mauthausen schnell übertroffen hatte.

Droga wiodąca do kaminieniołomu Gusen. Z boku barak biura zarządu kamieniołomu

Gusen befand sich bis Anfang 1941 im Bau und wurde in dieser Zeit schrittweise erweitert. Auf dem weitläufigen Gelände wurden 24 Wohnbaracken, mehrere Sanitäranlagen, 8 Lagerbaracken, eine Küche, Baracken für Wachleute, Steinhallen und Hilfswerkstätten, ein Krankenhaus sowie ein Krematorium für insgesamt 7200 Gefangene gebaut. Zunächst war das Lager von unter Hochspannung gesetztem Stacheldraht umgeben, später wurde eine Steinmauer errichtet, die die drei Wachtürme verband, auf denen Wachposten mit Maschinengewehren und Suchscheinwerfern positioniert waren.

Widok z kaminieniołomu „Kastenhofen“ na baraki Zakładów „Steiera“ i w prawym rogu na obóz Gusen

Sowohl Gusen als auch das Hauptlager Mauthausen wurden Anfang 1941 von der SS als KZ der Stufe III eingestuft, als Lager mit mit den härtesten Haftbedingungen und der geringsten Überlebenschance, bestimmt für Gefangene, die als „nicht rehabilitierbar“ galten. Die Vernichtung von Gefangenen, unter denen sich hauptsächlich polnische Intellektuelle befanden, wurde von deutschen Kriminellen durchgeführt, die die Gefangenen zu körperlich destruktiver Sklavenarbeit zwangen. Ihnen wurden unterschiedliche Funktionen zugewiesen: Es gab Lagerälteste, Blockälteste, Kapos und Oberkapos.

Bis ins Jahr 1942 bestand die Hauptfunktion des Lagers darin, Menschen zu eliminieren, die als politische und rassische Feinde des Dritten Reiches galten. Von 1940 bis 1942 arbeiteten die Gefangenen hauptsächlich in Steinbrüchen, wo sie Granit abbauen und verarbeiten mussten.

In den beiden darauffolgenden Jahren (1943-1945) wurde die Gewinnung von Granit und somit die Zahl der in den Steinbrüchen arbeitenden Häftlinge reduziert. Ab 1942 wurde ein Großteil der Gefangenen zur Arbeit in der Rüstungsindustrie abkommandiert und musste den Wiederaufbau des Lagers nach den Bombenangriffen der Alliierten unterstützen.

In Gusen wurden Maschinenpistolen und -gewehre der Steyr-Dailmer-Puch-AG hergestellt, sowie Flugzeugteile und -triebwerke für der Firma Messerschmitt (Rümpfe und Klappen von Jagdflugzeugen sowie später auch V2-Raketen). Die Rüstungsproduktion nahm mit Verlauf des Krieges stetig zu, immer mehr Gefangene wurden dort beschäftigt und dazu gezwungen, ihre Produktivität laufend zu steigern.

Gusen spielte eine unheilvolle Rolle bei der Zerstörung der polnischen sozialen Eliten und der Menschen aus Wissenschaft und Kultur — sie alle zählten zur sogenannten „polnischen Intelligenz“. 1940 waren 97% der Inhaftierten polnischer Herkunft, gefolgt von Häftlingsgruppen anderer Nationalitäten. Noch bis zur Befreiung des Lagers am 5. Mai 1945 stellten polnische Häftlinge die größte ethnische Gruppe im Lager dar. Unter ihnen befanden sich fast ausschließlich politische, sog. „Schutzhäftlinge“.

Die tatsächliche Anzahl der Häftlinge im Lager Mauthausen-Gusen zu ermitteln, ist heute unmöglich. Nicht selten kam es vor, dass Neuankömmlingen im Lager die alten Nummern bereits verstorbener Häftlinge zugewiesen wurden, was eine genaue Analyse unmöglich macht. Zudem wurde die separate Nummerierung im Lagerteil Gusen am 23. Januar 1944 eingestellt und die Nummern ab diesem Zeitpunkt nur noch in Mauthausen vergeben.

Wyzwolenie obozu przez wojska Amerykanskie

In Gusen waren tausende Vertreter der polnischen Intelligenz inhaftiert: Lehrer, Priester, Ärzte, Beamte, Architekten, Ingenieure, Journalisten, Schriftsteller und Dichter, Musiker und Komponisten, soziale und politische Aktivisten, Universitätsprofessoren und Studenten, Künstler und Juristen. Unter den Häftlingen befanden sich auch einige jugendliche Polen ab 12 Jahren, darunter eine Gruppe von Jungen aus der Region Zamość in Südostpolen und einige Kinder, die nach dem Warschauer Aufstand ins Konzentrationslager deportiert wurden. Sie alle unterlagen dem gleichen Schicksal wie die erwachsenen Insassen.

Die Standardlagerbaracke maß 52 mal 8 Meter und war in zwei so genannten Stuben aufgeteilt: auf der linken Seite vom Eingang die Stube „A“, auf der rechten die Stube „B“. In jeder von ihnen gab es zwei Räume einen Schlafsaal mit Etagenpritschen für die Häftlinge und einen Gemeinschaftsraum. Gewöhnlichen Häftlingen war meist nur der Aufenthalt im Schlafsaal erlaubt. Den zweiten Saal beanspruchten insbesondere die Funktionshäftlinge […] Zwischen den Stuben befanden sich die Latrine und der Waschraum sowie eine Kammer für Heizmaterial.“